Klimawandel:

für konsequenten Klimaschutz!

 

Das Klimathermometer:

Im CAT (Climate Action Tracker) wird versucht, die Erderwärmung in einem Klimathermometer darzustellen.

Links steht die wahrscheinliche Temperatur im Jahr 2100, wenn die Staaten ihre bisher zugesagten Klimaschutzmaßnahmen auch umsetzen.

Auf der rechten Seite steht, was passiert, wenn kein Klimaschutz stattfindet.

In diese Darstellung sind alle klimawissenschaftlichen Erkenntnisse und alle Trends in der Entwicklung einbezogen (Stand der Abb. 12/2015). Die aktuelle Version des CAT können Sie hier ansehen.


Was bedeutet diese Temperaturerhöhung für unser Leben?

In den vergangenen fünf Jahren werteten 2000 Wissenschaftler des IPCC (UN-Klimarat) 29 000 wissenschaftliche Berichte und Datensammlungen aus.
Der Klimabericht stellt fest, dass der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre seit 1750 um mehr als ein Drittel gestiegen ist. Die Temperatur stieg seit 1850 weltweit um 0,74 Grad Celsius. Um die Erderwärmung im Bereich von 2 bis 2,4 Grad Celsius zu begrenzen, müssen die weltweiten CO2-Emissionen bis 2050 um 50 bis 85 Prozent sinken.
Gelingt dies nicht, kann die Erwärmung bis zu 6,4 Grad betragen. Es gibt Studien, die davon ausgehen, dass bereits bei einer Temperaturerhöhung um 4 Grad das Überleben der Menschheit langfristig gefährdet ist.

Umweltforscher aus Bremen haben den Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre mit Daten vom europäischen Umweltsatelliten ENVISAT nachgewiesen. Zur Zeit nimmt die CO2-Konzentration jährlich um 0,5 Prozent pro Jahr zu. Die Zunahme des CO2-Gehaltes in der Luft hat sich seit Anfang 2000 etwa verdreifacht.

Jetzt wurde auch eine sich selbst verstärkende Rückkoppelung der Erwärmung auf das Klimasystem nachgewiesen. Bislang haben natürliche Senken wie Wälder und Meere die Hälfte des von Menschen gemachten Kohlendioxids aufgenommen und damit die Erderwärmung deutlich gebremst. Seit 1981 nimmt der Südliche Ozean 5 bis 30 Prozent weniger CO2 auf als bisher. Nun könnte der Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre in Zukunft größer werden als vorhergesagt. Auch mit dem Tauen der Dauerfrostböden kommen zusätzlich Treibhausgase in die Atmosphäre.

Bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten werden aussterben, wenn sich die Erde um mehr als 1,5 bis 2,5 Grad erwärmt. Auch mit einer Zunahme der Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Stürmen ist wegen dem beschleunigten Wasserkreislaufs zu rechnen. Naturkatastrophen treten dann häufiger auf und fordern mehr Opfer. Allein der drohende Verlust von Schnee und Eisgletschern auf den Bergen Asiens wird 40 Prozent der Weltbevölkerung betreffen.

Um die Erderwärmung im beherrschbaren Bereich von 2 bis 2,4 Grad Celsius zu halten, muss die Treibhausgaskonzentration bis 2015 deutlich begrenzt werden. Bis 2050 müsste der Ausstoß im Vergleich zu heute um 50 bis 80 Prozent gesenkt werden. Ein Hektar Kiefernwald ist nötig, um den Jahresausstoß eines Mittelklassewagens aufzunehmen und wieder in Kohlenstoff und Sauerstoff zu verwandeln.

Nur wenn konsequent marktwirtschaftliche Instrumente zur Internalisierung der externen Umweltkosten genutzt werden, ändern sich die Kostenstrukturen der Verbraucher. Aber marktwirtschaftliche Instrumente wie der Europäische Emissionshandel oder die Ökosteuer sind nicht ausreichend umgesetzt worden. So liegt der Preis für abgegebenes CO2 bei nur einem Euro pro Tonne, weil der Industrie zu viele Zertifikate zugeteilt wurden.

 

Der Strahlungsantrieb des Treibhauseffekts:


An dieser Grafik aus dem IPCC-Bericht kann man erkennen, daß Kohlendioxid den höchsten Beitrag zum Treibhauseffekt leistet. Dieses Ergebnis gilt auch für die einzelnen Kontinente. Der Bericht beweist, daß die Erderwärmung durch Menschen verursacht wurde.
Die Zunahme des Treibhauseffektes wird vor allem durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe (Emission von Kohlendioxid) und durch die Landwirtschaft (Stickstoffdioxid) ausgelöst.

Es gibt drei starke Einflußfaktoren, die den Klimawandel bremsen können: eine rückläufige Weltbevölkerung, der Verzicht auf die Nutzung fossiler Energien und die weltweite Einführung neuer ressourceneffizienter Technologien. Wichtig ist, daß neben den Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel (z.B. dem Schutz der Wasserressourcen und der Küsten) auch Maßnahmen gegen Armut, fehlenden Ressourcenzugang und Konflikte vorgesehen werden.


Leuchturm auf Hiddensee an der Ostsee

 

Und was tut die Bundesregierung?

Die Bundesregierung beschloß auf ihrer Klausurtagung in Meseberg die Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 Prozent. Dieses Ziel ist aber mit den vorgesehenen 30 Maßnahmen nicht erreichbar. Selbst mit einer vollständigen und zügigen Umsetzung wären nur etwa zwei Drittel der beschlossenen Treibhausgaseinsparung zu erzielen. Die CO2-Abscheidung ist eine fragwürdige, unseriöse Technologie.
Im Verkehrsbereich wurde auf wirksame Minderungsstrategien verzichtet. So fehlt auch eine konkrete Planung bei den Einsparungen im Flug- und Schiffsverkehr. Ein Tempolimit auf Autobahnen wurde ebenfalls nicht beschlossen.

Das ist die Fortsetzung einer "Ankündigungspolitik" Deutschlands in Klimafragen. Die seit 1990 erreichten 16 Prozent CO2-Reduktion hören sich nicht schlecht an, allerdings hatte sich Deutschland zu 21 Prozent Reduktion verpflichtet. Der weitaus überwiegende Teil der CO2-Reduktion in Deutschland ist keineswegs auf gezielte Klimaschutzmaßnahmen zurückzuführen, sondern lediglich Ergebnis der Abschaltung der alten ostdeutschen Anlagen. Ziel muß aber die Umstrukturierung der Wirtschaft und die Beschleunigung des ökologischen Strukturwandels ein.

 

Für den ökologischen Strukturwandel

Es fehlen vollständig wirksame marktwirtschaftliche Ansätze zur Bekämpfung des Klimawandels. Auf die beiden wirksamen marktwirtschaftlichen Steuerungsmechanismen für den ökologischen Umbau, die Ökologische Steuerreform und den Emissionshandel, gab es massive Angriffe durch die großen Energiekonzerne und die Wirtschaftsminister der Bundesländer. Bundesumweltminister Gabriel lehnte bisher eine Versteigerung der Emissionsrechte ab. Auch die nationale Besteuerung von Kerosin und ein massiver Ausbau der Forschung mit dem Ziel der effizienten Energieerzeugung bei erneuerbaren Energien fehlt.

Der massive Ausbau der Förderung der Energieeinsparung und der Ausbau erneuerbarer Energien sind ein guter Weg, die Umstellung zu erleichtern. Aber ohne eine marktwirtschaftliche Fundierung dieses Wandels werden Umstellungssubventionen nur zu einer Verlagerung der Emissionen auf andere Gebiete führen.

Nötig ist eine ökologische Ordnungspolitik. Wenn die großen Energiekonzerne diesen Wandel nicht selber gestalten, muß die Politik den Mut haben mit der EU-Kommission zusammen die Energiemonopole zu zerschlagen.

Wenn der Klimawandel nicht eingegrenzt wird, kommt es zu dauerhaften Schäden in Höhe von mehr als 20 Prozent des Weltsozialprodukts. Ein sofortiger aktiver Klimaschutz würde dagegen nur Investitionen in Höhe von etwa 1 Prozent des Weltsozialprodukts erfordern.

 

Klimagipfel in Bali ohne Ergebnis

Nach den Vorstellungen der EU sollen die Industrieländer ihren Ausstoß an Klimagasen bis 2020 um etwa 30 Prozent unter den Wert von 1990 bringen. Die USA, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben, lehnen jedoch feste Grenzwerte ab. Sie bestehen zudem darauf, daß sich China und Indien ebenfalls zur Einsparung von Klimagasen verpflichten.
Die USA ist der weltweit größte Kohlendioxid-Emittent. Die USA sind derzeit für etwa ein Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Einziger Verbündeter der USA war Australien. Der konservative Premierminister John Howard wurde aber kurz vor der Konferenz abgewählt. Die USA wurden unterstützt von Russland, Japan und Kanada.

Al Gore sagte auf Bali: Die Klimafrage sei kein technisches und kein politisches, sondern zu allererst ein "moralisches Problem". Die Amerikaner versuchten, vom Verhandlungsprozess abzulenken, indem sie auf ihrer eigenen Initiative mit separaten Klimagesprächen unter den größten Volkswirtschaften beharrten.

Entwicklungsländer wie Indien fordern, daß die Emissionsgrenzen pro Kopf festgelegt werden sollen. Besonders China stand in der Kritik. Dort gehen jede Woche zwei neue Kraftwerke ans Netz, werden Jahr für Jahr ein Drittel mehr Autos verkauft, und China verdrängt die USA vom Platz eins der größten CO2-Emittenten. Pro Einwohner gerechnet, ist der Ausstoß niedrig, 34 Prozent der Emissionen stecken in Exportprodukten, und seit 1850 hat China nur einen Bruchteil (14 Prozent) dessen zum Klimawandel beigetragen, was die EU und die USA verantworten.

Neben der Internalisierung der Umweltkosten durch Ökosteuern und den Emissionshandel, ist lassen sich nach dem "Stern-Report" auch die bisherigen Boykotteure ins Feld der UN-Klimapolitik holen. Hierzu hat Joseph E. Stiglitz, der US-amerikanische Nobelpreisträger der Ökonomie, einen bemerkenswerten Vorschlag unterbreitet: Andere Länder sollten den Import energieintensiver Produkte aus den USA verbieten - oder diesen Import zumindest hoch besteuern.

Das norwegische Nobelkomitee hat die mit insgesamt zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Auszeichnung zu gleichen Teilen an Gore und den Klimarat vergeben.

Die Zukunft, die uns nach dem IPCC-Report erwartet:


Das steht zur Auswahl:

Szenario B1: Bevölkerungsrückgang, globale Einführung ressourceneffizienter Technologien

Szenario A1T: Bevölkerungsrückgang, nichtfossile Energiequellen, hohes Wirtschaftswachstum

Szenario B2: zunehmende Weltbevölkerung, regionale nachhaltige Entwicklung der Welt

Szenario A1B: Bevölkerungsrückgang, ausgewogener Mix aller Energiequellen, hohes Wirtschaftswachstum

Szenario A2: zunehmende Weltbevölkerung, überwiegend regionale Orientierung

Szenario A1FI: Bevölkerungsrückgang, fossil-intensive Energiequellen, hohes Wirtschaftswachstum

 


Autor: U. Brehme

Quelle: IPCC-Klimareport auf Deutsch